Das lebendige Archiv

Digitale Krankenhausarchive waren früher recht langweilige Systeme, die hauptsächlich als „Datengräber“ für gescannte Akten galten. Inzwischen spielen digitale Krankenhausarchive eine zentrale Rolle in der Informationsarchitektur moderner Krankenhäuser. Synedra und ICW haben mit ihren Lösungen das Krankenhausarchiv zu neuem Leben erweckt.

Die Ansprüche an die Datenvielfalt, die Integration in die Systemlandschaft und an den klinischen Alltag, an die Viewer-Funktionalitäten, an den Datenschutz und nicht zuletzt an die Integration mit einrichtungsübergreifenden Akten steigen ständig. Folglich erwarten unsere Kunden heute ein „lebendiges Archiv“ – eine Plattform, die alle patientenbezogenen Daten erfasst, speichert, verteilt, visualisiert und archiviert.

synedra entwickelt seit mehr als zehn Jahren die Archiv-Plattform synedra AIM. Auf Basis moderner Technologien, orientiert an den Industriestandards und in engem Austausch mit unseren Kunden, haben wir damit eine Plattform für alle medizinischen Daten geschaffen: Dokumente (gescannt, originär elektronisch, unstrukturiert im PDF/A Format oder strukturiert in HL7 CDA), Bilduntersuchungen (DICOM und Non-DICOM), Daten von medizintechnischen Geräten, Signale und Videos.

Die Player vernetzen sich
Aktuell beobachten wir in unseren Kernmärkten Deutschland, Österreich und der Schweiz einen starken Trend zum einrichtungsübergreifenden Datenaustausch. Treiber sind unter anderem ökonomische Überlegungen, gesetzliche Vorgaben, Aspekte der Versorgungsqualität sowie die Bindung von Zuweisern  und auch Patienten.

Damit übernehmen Krankenhausarchive eine neue Aufgabe, nämlich die Datenbasis für den einrichtungsübergreifenden Datenaustausch bereitzustellen. Das digitale Krankenhausarchiv enthält die vollständige einrichtungsinterne Patientenakte. Daher ist es hervorragend als Gateway zur einrichtungsübergreifenden Akte geeignet.

Mit den Profilen der internationalen Standardisierungsinitiative IHE steht die Blaupause für die Implementierung von einrichtungsübergreifenden Akten bereits zur Verfügung.

Tragfähige Vernetzungsarchitektur
Ein Krankenhausarchiv ist bei Vernetzungsprojekten nur ein Player unter vielen. Zunächst hat eine tragfähige Vernetzungsarchitektur sicherzustellen, dass Patientenidentitäten über Einrichtungsgrenzen hinweg etabliert werden können, und dass die Kommunikationspartner untereinander bekannt sind und sicher kommunizieren können. Darüber hinaus ist eine Infrastruktur erforderlich, um die Daten für den externen Zugriff zu registrieren, die Zugriffsrechte zu steuern, und das Einverständnis der Patienten für den Datenaustausch
zu verwalten. All diese Bausteine liegen übergeordnet in Bereichen außerhalb des Archivs – in der IHE-Sprache „Affinity Domain“ genannt, in Österreich sprechen wir auch von „ELGA Bereichen“, in der Schweiz von „Stammgemeinschaften“.

Wir greifen auf Erfahrungen in der Gesundheitsvernetzung aus Österreich zurück, wo die nationale Patientenakte auf Basis von IHE-Profilen bereits seit Anfang 2016 produktiv läuft.

Das Archiv nimmt einerseits die Rolle eines IHE XDS Repositorys ein und registriert die nach extern zu kommunizierenden Daten in der Registry. Andererseits übernimmt das Archiv in der Rolle eines IHE XDS Consumers von anderen Einrichtungen bereitgestellte Daten und stellt sie den Kliniken zur Verfügung. Die Kommunikation zwischen Archiv und Vernetzungsinfrastruktur sollte strikt nach IHE-Standard erfolgen. Ein gutes Zusammenspiel zwischen den Lieferanten des Archivs und der Vernetzungsinfrastruktur schafft jedoch eine optimale Ausgangsbasis für ein erfolgreiches Vernetzungsprojekt.

Gemeinsame Projekte mit ICW
Die Zusammenarbeit von synedra und ICW hat sich bereits bewährt. Wir möchten hier zwei Projektbeispiele herausgreifen. In der Schweiz wurde im Rahmen des Projekts „Medical Dossier“ des Kantonsspitals St. Gallen eine Vernetzungsinfrastruktur für alle neun Krankenhäuser aus den vier Spitalsregionen des Kantons geschaffen. synedra AIM übernimmt die Rolle des IHE-Repositorys
und stellt Dokumente aus allen Spitalsregionen in die Registry der ICW ein. Diese bildet das einrichtungsübergreifende Medical Dossier. Da synedra zugleich das Enterprise Image Archive des Kantons ist, werden auch Bilduntersuchungen für den einrichtungsübergreifenden Datenaustausch registriert. Damit ist der Kanton St. Gallen für das nationale elektronische Patientendossier
(EPD) bestens vorbereitet.

Im Universitätsklinikum Freiburg und dem Universitäts-Herzzentrum Freiburg-Bad Krozingen setzt synedra gemeinsam mit ICW eine IHE-konforme „Befundkommunikations- und Archivierungsplattform“ um. Kern des Projektes ist der Aufbau eines IHE-konformen Archivs und einer Austauschplattform sowohl für den internen Gebrauch als auch zur Verwendung als Schnittstelle zwischen den beteiligten Einrichtungen. Zukünftig soll das System zur Austauschplattform für die Region ausgebaut werden.

Ausblick auf strukturierte Daten
Wir meinen, dass die Anforderungen an ein multimediales medizinisches Krankenhausarchiv künftig weit über das Speichern dokumentenbezogener Daten hinausgehen werden, hin zu strukturierten Daten und Werten. synedra setzt dafür auf den neuen HL7-Standard FHIR (Fast Healthcare Interoperability Resources). In den kommenden Releases wird die FHIR-Unterstützung in synedra AIM schrittweise auf- und ausgebaut.

Einem Archiv, das mit strukturierten Daten und dem FHIR-Standard umgehen kann, öffnen sich zusätzliche Anwendungen, etwa die Integration von mobilen Apps und Webapplikationen, die Anbindung neuer medizinischer Gerätetypen (z. B. Wearables), sowie die Bereitstellung von Daten an Decision Support Systeme.

ICW ist im Bereich FHIR und strukturierte Daten ebenfalls Vorreiter. Gemeinsam werden wir in unseren Projekten standardkonforme Lösungen für den Austausch von strukturierten Daten implementieren. Dank der Kombination einer standardkonformen Archiv- mit einer standardkonformen Vernetzungsinfrastrukturlösung können synedra und ICW Mehrwerte für unsere Anwender, für die Einrichtungen und für die Patienten schaffen.