Digitalisierung zum Nutzen des Patienten

Das Universitätsklinikum Freiburg setzt seit vielen Jahren auf die Digitalisierung seiner Prozesse mit dem Ziel, die Qualität der Behandlung ihrer Patienten weiter zu steigern und Arbeitsabläufe zu vereinfachen. Nun ist geplant, auch die Patienten vermehrt in die digitale Welt einzubinden.

Das Universitätsklinikum Freiburg (UKF) konnte in den vergangenen Jahren in der Patientenversorgung einen vergleichsweise hohen Digitalisierungsgrad erreichen. Das auf sämtlichen Normal- und IMC-Stationen eingesetzte Patientendaten-Managementsystem (PDMS) Meona ersetzt durchgängig die Papierdokumentation („Kurve“). Kernfunktionen des Systems sind die Therapieanordnung und die Verabreichungsdokumentation sowie die ärztliche und pflegerische Dokumentation. Auf den Intensivstationen erfolgt die Behandlungsdokumentation über das PDMS Copra6. Ausfallgesicherte Bettplatz-Systeme übernehmen die Vitalparameter des Patienten und speisen diese in die Patientenkurve ein. Auch die Therapieanordnung und Verabreichungsdokumentation sowie die gesamte ärztliche und pflegerische Intensivdokumentation sind Teil der vollständig digital unterstützten Prozesskette. Mobile Visiten werden am UKF in vielen Bereichen weitgehend papierlos durchgeführt. Außerdem setzen Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten Tablet-Lösungen zur Unterstützung ihrer sonstigen täglichen Arbeit ein.

INTERAKTIVE ANGEBOTE FÜR DEN PATIENTEN SIND IMMENS WICHTIGE BAUSTEINE FÜR DIE DIGITALISIERUNG DER VERSORGUNGSPROZESSE.


MEDUNA: Medizinisches Universalarchiv einschließlich standardkonformer strukturierter Daten

Mit dem 2015 begonnenen Aufbau der IHE-konformen multimedialen Befundkommunikations- und Archivplattform MEDUNA, die auf Lösungen der Firmen synedra und ICW aufbaut, wird aktuell die seit rund 20 Jahren bestehende zentrale Befund- und Datendrehscheibe für das gesamte Krankenhausinformationssystem umfassend modernisiert und erweitert. Zusätzlich zu den seit zwei Jahrzehnten durchgehend im PACS digital verfügbaren Daten der radiologischen Untersuchungen werden in MEDUNA die vorhandenen strukturierten Daten (ca. 20 Mio. Befunde, wie z.B. Labor), die digital erstellten Befunde und Dokumente (ca. 15 Mio.) sowie die gescannten Papierakten (ca. 14 Mio. Dokumente mit 90 Mio. Seiten) konsolidiert und über ein integriertes Berechtigungskonzept für eine datenschutzkonforme Nutzung bereitgestellt. Den immer anspruchsvolleren Vorgaben im Rahmen von Forschungsvorhaben und den zunehmenden Anforderungen an eine universelle Abstraktionsschicht für mobile Anwendungen und IoT-Lösungen wird das System durch integrierte medizinische Kommunikationsstandards wie IHE XDS und HL7 FHIR gerecht.

Die IHE-konforme multimediale Befundkommunikations und Archivplattform ist nicht nur das „Rückgrat“ der Best of Breed IT-Architektur am UKF; sie wird darüber hinaus zunehmend zum Dreh- und Angelpunkt für Vernetzungsszenarien, die für die Umsetzung der Digitalisierungsstrategie in den kommenden Jahren erfolgskritisch sein werden:

1. Vernetzung der Universitätsmedizin:
Bereits im Jahr 2014 konnte das Modul Master Patient Index (MPI) von ICW für die einrichtungsübergreifende Zusammenarbeit des Universitätsklinikums Freiburg mit dem Universitäts-Herzzentrum Freiburg-Bad Krozingen (UHZ) etabliert werden (s. Perspectives NO. 1, S.8). Darauf aufbauend soll in einem weiteren Schritt über eine Affinity Domain der IHE-konforme Austausch von Patientendokumenten zwischen den beiden Einrichtungen ermöglicht werden. Dieses Architekturprinzip lässt sich prinzipiell um weitere Partner-Einrichtungen erweitern. Eine Herausforderung liegt in der datenschutzkonformen Realisierung. Sie macht eine Erweiterung des aktuellen technischen Konzeptes um ein differenzierteres Berechtigungsmanagement innerhalb der Affinity Domain erforderlich.

2. Digitale Patientenservices:
Dem Klinikaufenthalt vor- und nachgeschaltete Portallösungen und interaktive Angebote für den Patienten sind immens wichtige Bausteine für die Digitalisierung der Versorgungsprozesse. Diese umfassen beispielsweise das Onboarding, die Patientenaufklärung, die Bereitstellung zugeschnittener Informationsangebote sowie den Abruf von Arztbriefen, Verlaufskontrollen und von sonstigen Behandlungsunterlagen. Mit diesen Patientenservices können der Informationsfluss zwischen den unterschiedlichen Leistungserbringern und dem Patienten verbessert und die Behandlungsprozesse in den Kliniken optimiert werden. Ganz entscheidend ist, die erfolgskritische, tiefe Integration mit den Kernkomponenten des Krankenhausinformationssystems sicherzustellen. Deshalb setzt das UKF auch hier auf eine enge technologische Kopplung mit MEDUNA. Der große Vorteil eines integrierten Serviceportals: Das in der EU-Datenschutz-Grundverordnung verankerte Recht auf Datenübertragbarkeit ist damit bereits vorgezeichnet.

3. Integration in das Patienteninfotainment:
Aktuell modernisiert das Universitätsklinikum Freiburg die heute noch klassisch aufgestellte Medienversorgung im Patientenbereich (Internet/WLAN, TV, Radio, Telefon) zu einem Patienteninfotainment mit Mehrwertdiensten. Klar ist: Die Integration der oben beschriebenen Patientenservices in die Infotainment-Lösung am Patientenbett bringt signifikante Synergien mit sich und erleichtert Patienten mit niedriger IT-Affinität den Einstieg. Es ist zu erwarten, dass damit die Akzeptanz zur poststationären Nutzung der Portaldienste steigt.

4. Vernetzung von Krankenversorgung und Forschung:
Die Medizinische Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und das Universitätsklinikum Freiburg werden ihre IT-gestützte Forschungsinfrastruktur in den nächsten Jahren – u.a. dank der Förderung im Rahmen der Förderinitiative Medizininformatik des Bundesforschungsministeriums – stark ausbauen. Ziel ist die Bereitstellung von Kompetenzen, Methoden, Daten und Technologien in Form einer Forschungsplattform, die alle Bereiche der klinischen Forschung und der Grundlagenforschung unterstützen soll. Zentraler Bestandteil einer solchen Plattform ist ein klinisches Datawarehouse. Es ermöglicht, Daten zwischen den klinischen Informationssystemen und den Forschungsinformationssystemen auszutauschen.

Damit lassen sich nicht nur Routinedaten aus dem Krankenhausinformationssystem sekundär nutzen, sondern auch umgekehrt Forschungsdaten in der klinischen Routine verwenden. Klinisches Pendant und Quelle für die datenschutzkonforme Bereitstellung klinischer Daten für die Forschungsplattform (insbesondere über FHIR-Ressourcen) soll auch hier das medizinische Universalarchiv sein.