Pionierarbeit in der Ostschweiz

Der Kanton St. Gallen hat als einer der ersten Kantone in der Schweiz damit begonnen, Systeme für ein elektronisches Patientendossier aufzubauen. Dabei hat er auch auf Lösungen von ICW gesetzt.

Jede Person in der Schweiz hat künftig die Möglichkeit, behandelnden Ärzten über ein elektronisches Patientendossier (EPD) Zugriff auf ihre medizinischen Daten zu geben. Das entsprechende Bundesgesetz, das hierfür den rechtlichen Rahmen definiert, tritt im Frühling 2017 in Kraft. Die sogenannte «Strategie eHealth Schweiz» sieht vor, dass die operativen und fachlichen Arbeiten, etwa zu technischen und organisatorischen Themen, in Teilprojekten durch Arbeitsgruppen geleistet werden. Eines dieser Teilprojekte behandelt «Standards und Architektur». Die Projektbeteiligten haben verschiedene Standards geprüft und für die Umsetzung in der nationalen Architektur für das EPD empfohlen. Dabei geht es immer darum, die Interoperabilität
von Systemen in verschiedenen Regionen und Kantonen sicherzustellen. Die Profile der IHE sind dabei von großer Bedeutung, da sie international anerkannt und bereits in vielen Systemen umgesetzt sind.

Bereits 2008 einen MPI aufgebaut
Der Aufbau des EPD basiert in der Schweiz auf dezentralen Umsetzungsprojekten. Der in der Ostschweiz gelegene Kanton St. Gallen hat als einer der ersten Schweizer Kantone damit begonnen, notwendige Systeme zur Realisierung des EPD aufzubauen. „Wir wollten bereits in einer sehr frühen Phase erste Erfahrungen in der Umsetzung gewinnen“, betont Hansjörg Looser, Leiter eHealth im Kanton St. Gallen. Bereits 2008 startete man in den zehn kantonalen Spitälern mit der Realisierung eines Master Patient Index (MPI) zur eindeutigen Patientenidentifikation. Im Rahmen einer Ausschreibung entschied sich der Kanton für den ICW Master Patient Index. Neben der umfangreichen Funktionalität waren vor allem die IHE-Schnittstellen zur Gewährleistung der Interoperabilität mit den integrierten Systemen entscheidend. Innerhalb von sechs Monaten wurde der MPI aufgebaut und in die Informationssysteme der angeschlossenen Spitäler integriert. Heute erfolgt die eindeutige Patientenidentifikation dank der Verknüpfung der Patientendaten aus den verschiedenen Systemen einrichtungsübergreifend. Zudem wird der MPI auch im
Rahmen der Patientenaufnahme abgefragt, um doppelte Datenerfassungen zu vermeiden.

Dokumente und Bilddaten zentral verfügbar
Im nächsten Schritt ging es darum, in St. Gallen ein kantonales Dokumentenregister zu realisieren. Die dafür notwendigen Module kommen von ICW. Mit deren Hilfe konnte eine Document Registry auf Basis von IHE XDS (Cross-Enterprise Document Sharing) umgesetzt werden. In diese wurden die Dokumenten- und Bildarchive der kantonalen Spitäler standardkonform integriert. „So konnten wir eine ebenso einfache wie nachhaltige Anbindung der vorhandenen Systeme zur langfristigen Speicherung medizinischer Dokumente und Bilddaten sicherstellen“,  sagt Hansjörg Looser. Schon seit mehreren Jahren werden auf diese Art und Weise die Austrittsberichte nach einem stationären Aufenthalt mit einem regionalen Ärztenetz ausgetauscht, wenn der Patient
dieser elektronischen Kommunikation zugestimmt hat. Dieser netzwerkübergreifende Datenaustausch zwischen stationärem und ambulantem Bereich erfolgt ebenfalls auf Basis IHE-konformer ICW Module.

„Über unser Portal Evita können die Patienten auf ihre Spitaldokumente zugreifen.“

Zugangsportal für Patienten und Healthcare Provider Directory
In absehbarer Zeit werden Patienten des Spitalverbunds St. Gallen die Möglichkeit haben, über das Portal Evita online auf ihre Spitaldokumente zuzugreifen. Evita greift dazu über Schnittstellen auf die Daten und Dokumente zu, die den Standards von IHE und den Empfehlungen des Koordinationsorgans eHealth Suisse entsprechen. Geplant ist zudem, die Lösungslandschaft um eine
Healthcare Provider Directory (HPD) zu erweitern. Die Verwaltung der Daten von Geschäftspartnern des Spitalverbunds St. Gallen wird dadurch deutlich vereinfacht.

Überzeugender Nutzen, zuverlässiger Partner
Sowohl der Master Patient Index als auch die Document Registry auf Basis von IHE XDS bringen dem Spitalverbund St. Gallen klare Vorteile. Doppelspurigkeiten werden vermieden, Prozesse wurden deutlich vereinfacht. „Nicht nur die technischen Lösungen von ICW bieten uns dank ihrer Funktionalitäten und guten Performance einen klaren Mehrwert“, sagt Looser. „Auch die
Mitarbeiter von ICW haben wir als zuverlässige und sehr kundenorientierte Partner erlebt.“

Bestens für die Zukunft gerüstet
Für die eingangs erwähnten dezentralen EPD-Umsetzungsprojekte entstehen in der Schweiz derzeit sogenannte Gemeinschaften und Stammgemeinschaften. Dabei handelt es sich um organisatorische Einheiten von Gesundheitsfachpersonen und deren Einrichtungen. Die Gemeinschaften müssen sicherstellen, dass behandlungsrelevante Daten über das EPD zugänglich sind und deren Bearbeitung protokolliert wird. Stammgemeinschaften haben weiterreichende Pflichten. Sie müssen es Bürgern ermöglichen, ein EPD zu eröffnen und zu widerrufen. Und sie müssen Patienten die Möglichkeit geben, auf ihre Daten im EPD zuzugreifen, selber eigene Daten zu erfassen und die Zugriffsrechte auf ihr EPD zu vergeben und anzupassen. Mit der aktuellen
technischen Lösungslandschaft ist der Spitalverbund St. Gallen bestens aufgestellt, um diese Herausforderungen zu meistern.