Wartezeiten waren gestern

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) macht in Sachen Digitalisierung Nägel mit Köpfen. Mehr als 1.300 niedergelassene Ärzte sind bereits Teil der Klinik-Infrastruktur. Aber das ist erst der Anfang. Pünktlich zur Eröffnung der neuen Zentralkliniken im Jahr 2019 sollen eine Reihe von digitalen Patientenservices bereitstehen.

Das UKSH ist der größte Maximalversorger und Arbeitgeber des nördlichsten Bundeslandes und versteht sich als Innovations- und Wirtschaftsmotor. Ein zentrales Ziel des UKSH ist es, die Vernetzung und die Digitalisierung des Gesundheitswesens im Land maßgeblich mit voranzutreiben.

Bereits vor vier Jahren haben die Verantwortlichen im UKSH eine eigenständige Teleradiologie-Infrastruktur unter dem Namen med.netz.nord aufgebaut, über die telematische Dienstleistungen für andere Krankenhäuser erbracht und digitale Services genutzt werden. Die Funktionalität des med.netz.nord wurde im Jahr 2017 so erweitert, dass über das sichere Netz der Kassenärztlichen
Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) mittlerweile mehr als 1.300 niedergelassene Ärzte digital mit dem UKSH vernetzt sind und aktuell mehr als 15.000 Dokumente pro Monat elektronisch versendet werden. Im Rahmen des „Baulichen Masterplans“ entstehen an beiden Standorten des UKSH interdisziplinäre Zentralkliniken mit dem Ziel, den Patienten die beste medizinische Versorgung auf höchstem Qualitätsniveau durch moderne Infrastrukturen zu bieten – mit kurzen Wegen, kurzen Wartezeiten und kurzen Aufenthaltsdauern. Diesem Anspruch wird das UKSH allein durch die konsequente Digitalisierung der Versorgungsprozesse gerecht. Digitale Patientenservices bilden die Grundlage für die Kommunikation mit den Patienten – vor, während und nach ihrem Aufenthalt im UKSH.

Digitale Terminplanung

Die digitale Terminvereinbarung eines Kunden bei seinem Dienstleister ist in anderen Branchen längst Routine. Die digitale Vereinbarung eines Behandlungstermins in einem Krankenhaus, und zwar rund um die Uhr, ist dagegen die absolute Ausnahme. Das UKSH beginnt das Planen der digitalen Patientenservices genau an diesem Punkt.

Der Patient soll sich online im UKSH registrieren und wird für einfache digitale Services freigeschaltet. Nach einer Validierung seiner Daten erhält er dann Zugang zu allen weiteren digitalen Patientenservices. Behandlungstermine können rund um die Uhr online angemeldet werden. Die Terminbestätigung erhält der Patient per E-Mail und via UKSH-App, die ihn nach einer Erinnerung
auch zu seinem Termin im neuen Zentralklinikum navigiert. Outdoor- und Indoor-Navigation sind wesentliche Services, nicht nur für die Patienten und Besucher, sondern auch für die UKSH-Mitarbeiter, die sich sofort in den neuen Gebäuden zurechtfinden müssen.

Der Aufnahmeprozess der Patienten soll durch Self-Service-Terminals zukünftig auch mit Anbindung an die Telematik-Infrastruktur unterstützt werden, sodass insbesondere Wiederkehrer ohne Wartezeit bei der Aufnahme direkt ihren Termin wahrnehmen können. Auch hier unterstützt die UKSH-App den Prozess durch die Bereitstellung aller notwendigen Informationen.

Die UKSH-App wird die Patienten zudem während ihres Aufenthalts im UKSH sowohl über Termin- und Raumänderungen, als auch über unvorhergesehene Wartezeiten informieren und an Termine erinnern. Auf diese Weise lassen sich die Behandlungsprozesse und Aufenthaltszeiten verkürzen.

Der informierte Patient – die patientengeführte elektronische Gesundheitsakte

Bereits seit 2013 ist ein informationelles Selbstbestimmungsrecht des Patienten im Patientenrechtegesetz verankert. Der Patient soll Zugriff auf alle wichtigen Informationen über seinen Gesundheitszustand und seine Therapiemöglichkeiten haben. Jeder Patient des UKSH bekommt daher zukünftig nach seiner Entlassung eine Kopie seiner medizinischen Daten und Befunde in einer elektronischen Gesundheitsakte (EGA) bereitgestellt, entweder in der EGA seiner Krankenkasse (wenn technisch möglich) oder in einer EGA bspw. der Firma Vitabook. In einem weiteren Schritt soll der Patient über die EGA auch Vorabinformationen zu seinem Krankenhausaufenthalt erhalten, sodass er beispielsweise eine Vorab-Anamnese zu Hause durchführen kann.

Technische Infrastruktur

Das UKSH setzt Agfa ORBIS, Agfa IMPAX, Optimal-Systems ENAIO und SAP als technische Plattformen ein. Die verschiedenen digitalen Services werden bis Ende des Jahres durch eine Middleware bereitgestellt:

    • die Registrierung eines UKSH-Online-Accounts basiert auf einem Master Patient Index (MPI) in Verbindung mit der Stammdatenverwaltung des KIS.
    • die Online-Terminvereinbarung setzt Zugriff auf Kontingente und einzelne Ressourcenkalender im KIS voraus.
    • medizinische Daten, Befunde und Bilder werden durch Anbindung an die entsprechenden Archive bereitgestellt.
    • das Vorhalten aller patientenbezogenen Informationen im Internet, auf der UKSH-App, im Patienten-Infotainmentsystem und in der EGA ist technisch und datenschutzrechtlich sicher.

Die Implementierung einer Middleware mit diesen Funktionen ist in dieser Systemumgebung eine technische Herausforderung, die die IT des UKSH im Jahr 2018 lösen wird, damit die digitalen Patientenservices zur Eröffnung der neuen Zentralkliniken im Jahr 2019 zur Verfügung stehen.